Cozy Romantasy: Geschichten wie ein warmer Rückzugsort 🧚♀️
Die Welt ist ein wilder Ort (geworden).
Hast du bestimmt gemerkt…
Nachrichten, Social Media, politische Entwicklungen, Krisen auf allen Ebenen. Es fühlt sich für viele Menschen so an, als wäre alles gleichzeitig laut, schnell und überfordernd. Kein Wunder also, dass Begriffe wie Coziness, Rückzug, Cocooning und Slow Living immer präsenter werden.
Viele Leute, die ich kenne oder deren Newsletter ich lese, haben das aktuelle Jahr zum Jahr des Eskapismus erklärt.
Ciao Kakao, wahre Welt! 👀
Dieser Wunsch nach Rückzug zeigt sich natürlich auch in dem, was wir konsumieren - besonders beim Lesen. Romantik erlebt seit Jahren ein Comeback, ebenso Fantasy. Und von Romantasy brauchen wir ja gar nicht anfangen, daran ist in den letzten Jahren keiner vorbeigekommen… (Falls du doch: Hier kannst du lesen, was klassische Romantasy ist. Oder welche Bücher es da zu empfehlen gibt.)
Doch etwas Neues kommt gerade dazu: das Bedürfnis nach Geschichten, die nicht vom nächsten Weltuntergang erzählen, nicht von Gewalt, nicht von maximalen Stakes.
Manchmal will man als Leser einfach Magie - ohne Trauma. Ein bisschen 🧚♀️ Feengefühl mit “Hach” statt Ojeee.
Und genau hier entsteht ein Genre, das immer mehr Leser und Leserinnen anspricht: Cozy Romantasy. Was quasi ein bisschen die gemütliche Gegenbewegung mit mehr Sanftheit ist, viel wärmer und wie eine weiche Decke.
Das gucken wir uns also hier an!
Inhalt: Alles über Cozy Romantasy
Was ist Cozy Romantasy?
Cozy Romantasy ist eine Mischung aus Cozy Fantasy und Romantasy - also Fantasy mit romantischem Schwerpunkt, erzählt in einer bewusst ruhigen, emotional sicheren Atmosphäre.
Artikeltipp: Alles über Romantasy (und warum sie so beliebt wurde)
Im Mittelpunkt stehen deswegen nicht epische Schlachten oder das Schicksal ganzer Reiche, sondern:
Beziehungen
Nähe
Atmosphäre
emotionale Entwicklung
Die Magie ist oft Teil des Alltags. Die Welt ist nicht perfekt, aber sie fühlt sich bewohnbar an. Also, dort geht es eben nicht direkt um Leben und Tod und düstere Mächte und OMG, gleich stirbt einer.
Konflikte existieren, doch sie eskalieren selten ins Extreme. Cozy Romantasy fragt nicht ständig: Wer stirbt als Nächstes? Sondern eher: Wie fühlt sich dieses Leben an?
Wenn du eine Analogie brauchst:
Das ist quasi nicht “Herr der Ringe”, sondern eine süße Liebesgeschichte aus dem Auenland, als noch alles in Ordnung war.
Cozy Romantasy vs. klassische Romantasy
Klassische Romantasy arbeitet häufig mit:
sehr hohen Stakes (das bedeutet: die Welt geht quasi unter, wenn der “quest” nicht erfüllt wird oder die dunklen Mächte gewinnen)
Krieg, Machtkämpfen, Gewalt
dramatischen Wendungen
emotionalem Leid als Treiber der Handlung (sehr viele der Charaktere haben typischerweise Traumata, schwere Verletzungen erlitten und “harte” Vergangenheiten)
Cozy Romantasy dagegen setzt auf andere Schwerpunkte:
niedrigere, persönlichere Stakes
Konflikte auf Beziehungsebene
kleinere Settings wie Dörfer, Burgen, Tavernen, Akademien
Romantik als emotionaler Anker statt als zusätzlicher Stressfaktor
Das bedeutet nicht, dass Cozy Romantasy oberflächlich ist. Sie erzählt nur anders. Du musst dir also vorstellen, dass das dann nicht “ganz großes Kino” ist, sondern eine leise, feine Geschichte, die man am Kamin lesen kann, ohne komplett überwältigt zu sein.
(Die wenigsten Leute haben einen Kamin, aber du weißt, was ich meine!)
Diese Unterschiede sind kein Zufall. Sie sind Ausdruck eines größeren Wandels innerhalb des Fantasy-Genres.
Lange Zeit wurde Fantasy vor allem über Größe, Bedrohung und Eskalation definiert. Welten mussten auf dem Spiel stehen, um relevant zu wirken. Romantik wurde häufig in diese Strukturen eingebettet und musste sich denselben dramatischen Regeln unterordnen: Schmerz, Verlust, Opfer. (Und bis heute wird von einigen “klassischen Fantasy-Fans” auch Romantasy als “schwächere” Fantasy angesehen. Just saying.)
Cozy Fantasy hat diesen Ansatz erstmals bewusst durchbrochen.
Spätestens mit Legends & Lattes wurde sichtbar, dass Fantasy auch ganz anders funktionieren kann. Eine Geschichte ohne Weltuntergang, ohne Schlachten. Nix epische Bedrohung - und trotzdem haben die Leser dort Tiefe, Atmosphäre und emotionale Bindung gefunden. Das Buch wurde erst im Self-Publishing veröffentlicht, und jetzt stürzen sich super viele Verlage auf das Genre. Für viele Leser war das ein Aha-Moment. Davor existierte sie eher als Gefühl, nicht als klares Genre.
Cozy Romantasy ist die logische Weiterentwicklung davon:
Wenn Cozy Fantasy der ruhigere Bruder der klassischen Fantasy ist, dann ist Cozy Romantasy die romantische Schwester der Romantasy.
Sie übernimmt die Entschleunigung, die Intimität und den Fokus auf Alltag und Beziehungen - und kombiniert ihn bewusst mit einer Liebesgeschichte, die nicht durch extremes Leid legitimiert werden muss.
Aber die Magie ist da!!! ✨ Bester Fakt der ganzen Sache, wenn du mich fragst.
Es geht darum, wie zwei Menschen (oder Wesen) sich in einer magischen Welt begegnen, annähern und gemeinsam wachsen - ohne dass alles um sie herum ständig zerbricht.
Typische Elemente von Cozy Romantasy
Auch wenn das Genre noch im Entstehen ist, zeigen sich klare Muster:
warme, immersive Settings (Cottages, Burgen, kleine Städte)
Magie als selbstverständlicher Teil der Welt
charaktergetriebene Geschichten (statt die plotgetriebenen, harten Geschichten mit viel Action, die viele Fantasy-Bücher sind, selbst auch oft die epischen)
Fokus auf Beziehung statt Plot-Explosion
Found-Family-Vibes
langsame, zärtliche Romantik
hoffnungsvolle oder glückliche Enden
das Gefühl: Es wird am Ende okay sein
Cozy Romantasy erzeugt nicht den Kick beim Lesen durch Adrenalin, sondern durch Geborgenheit.
Warum Cozy Romantasy immer beliebter wird
Der Erfolg von Cozy Romantasy ist kein Zufall. Also, meiner Meinung nach. Erstens ist es eine natürliche Schlussfolgerung davon, dass Cozy Fantasy beliebt wurde.
Aber eben auch von dem allgemeinen Trend, der für das Cocooning der Welt gesorgt hat.
Viele Leser sind müde:
müde von Dauerkrisen
müde von düsteren Geschichten
müde von Gewalt als Standard
Lesen wird wieder als Rückzugsort genutzt. Was ja nichts Neues ist, aber gerade entstehen einfach super viele spannende Genre-Mixe und dieses ist besonders spannend. Denn Cozy Romantasy bietet genau das: Eskapismus auf höchstem Niveau - nämlich Liebe mit Magie und Glitzer, in einer Welt, in der nicht ein unbesiegbarer Bösewicht um die Ecke wartet.
Ich habe dir hier einfach eine Formel geschrieben:
Cozy Romantasy = Liebe + Magie - Blut - Tod
🤓
Cozy Romantasy: Beispiele und Einordnung
Viele Bücher, die sich cozy anfühlen, werden offiziell noch anders vermarktet. Das Genre formt sich gerade erst. Häufig findet man Cozy-Romantasy-Vibes in:
märchenhaften Fantasy-Romanen
romantischen Geschichten mit magischem Alltag
Büchern, bei denen Atmosphäre wichtiger ist als Plot-Twists
Nacherzählungen von Märchen
Nicht jedes Cozy-Romantasy-Buch nennt sich so.
Meine Prognose ist: NOCH nicht. Cozy Romantasy wird vermutlich sehr groß werden.
Typische Tropes in Cozy Romantasy
(Hier findest du Tropes aus Romantasy und Romance im Allgemeinen)
Wie jedes Genre arbeitet auch Cozy Romantasy mit wiederkehrenden Tropes. Der Unterschied: Sie fühlen sich hier weniger wie Formeln an, sondern eher wie vertraute Muster, zu denen man gerne zurückkehrt. Weil das Genre ja noch recht neu ist, gibt es da einige Settings und Dinge, die sich frisch und cool anfühlen.
Viele dieser Tropes sind bewusst sanft, emotional sicher und auf Nähe ausgelegt. Und eben nicht so viel “hau-drauf”.
Zum Beispiel diese hier:
Found Family
Einer der zentralen Cozy-Romantasy-Tropes. Statt Isolation oder Konkurrenz stehen Gemeinschaft, Wahlfamilie und Zugehörigkeit im Mittelpunkt. Die Figuren finden Halt in Menschen, die sie sich aussuchen - nicht unbedingt in denen, mit denen sie geboren wurden.
Das können sehr starke Freundschaften sein, die sich unabhängig von großen Schlachten entfalten können.
Slow Burn Romance
Die romantische Entwicklung ist oft langsam, vorsichtig und organisch. Gefühle entstehen über gemeinsame Momente, Gespräche und kleine Gesten - nicht durch sofortige Anziehung oder extremes Drama. So was wie: Gespräche über dem Gartenzaun, wo man magische Rüben anbaut. Eine Art “Stolz und Vorurteil” Setting mit Elfen.
Small, Safe Settings
Dörfer, Burgen, Tavernen, Akademien oder magische Werkstätten: Die Schauplätze sind überschaubar und vertraut. Sie geben der Geschichte einen festen Rahmen und verstärken das Gefühl von Sicherheit.
Everyday Magic
Magie ist nichts Bedrohliches oder Unkontrollierbares, sondern Teil des Alltags. Sie wird genutzt, um das Leben schöner, einfacher oder wärmer zu machen - nicht, um alles zu zerstören.
Comfort over Conflict
Konflikte existieren, aber sie eskalieren (ich wiederhole mich, ich weiß - ist aber voll wichtig!) selten ins Extreme. Missverständnisse werden ausgetragen, nicht ausgespielt. Und erst recht nicht durch blutige Schlachten oder fiese Showdowns eskaliert. Spannung entsteht durch emotionale Nähe, nicht durch permanente Gefahr. So wie auch in der contemporary oder historischen Romance.
Healing Arcs
Viele Figuren bringen leise Verletzungen oder Erschöpfung mit. Cozy Romantasy erzählt oft von Heilung - langsam, ohne großen Knall, aber nachhaltig. Erstaunlicherweise kommen auch *echt* viele Charaktere vor, die früher mal böse waren oder krasse Jobs als Retter der Welt hatten - und jetzt quasi “in Rente” sind :-)
Hopeful or Happy Endings
Nicht jede Geschichte endet perfekt, aber fast immer hoffnungsvoll. Cozy Romantasy verspricht keine Tragödie, sondern Entwicklung und Ankommen. Oder es gibt eben Konflikte darin, angekommen zu sein und das große Gemetzel NICHT zu vermissen.
Fazit: Cozy Fantasy als Genre
Ich glaube wirklich, dass es übertrieben spannend wird zu sehen, was für Welten sich mit Cozy Romantasy alles entwickeln lassen.
Gerade weil diese Geschichten nicht ständig eskalieren müssen, entsteht plötzlich so viel Raum für Dinge, die sonst oft einfach unter den Tisch fallen. Für Nebengeschichten zum Beispiel (ich konnte da spontan einige Welten aufführen, von denen es unheimlich toll wäre, mal mehr über die “normale” Welt der normalen Menschen zu erfahren).
Für Figuren, die einfach mal nicht mitten im großen Hauptkonflikt stehen. Bisschen überspitzt gesagt: Für alles, was passiert, wenn gerade mal nichts explodiert.
In so vielen Geschichten gibt es diesen einen großen Plot und den Showdown. Den einen Konflikt. Und dann kracht es irgendwann, alles steht auf dem Spiel, und das ist auch völlig okay. (Wollen wir ja auch bei klassischer Romantasy!)
Aber… da gibt es eben gerade überall diesen Wunsch nach gemütlich und hygge beim Fantasy-Lesen.
Ich muss dabei immer an das Herr-der-Ringe-Beispiel denken. Wie cool wäre es eigentlich, einfach mal eine cozy Geschichte aus dem Auenland zu lesen? Ganz ohne Ring, ohne Weltrettung, ohne dunklen Herrscher.
Mit dieser Analogie beende ich diesen Artikel und bin gespannt, was sich alles in diesem Genre tun wird.
Wenn du auf dem neusten Stand bleiben willst, hol dir meinen Literaturletter, wo ich regelmäßig über meine eigene Reise berichte:
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